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Mutter-Kind-Angebot

Die Behandlung richtet sich an Mütter, die in den ersten Monaten nach der Entbindung an einer depressiven Erkrankung leiden. Die Behandlung erfolgt mit oder ohne gemeinsame Aufnahme des Kindes. Im Anschluss ist gegebenenfalls eine tagesklinische Behandlung möglich.

Erwachsene 18 – 64

Depressive Störungen, Posttraumatische Belastungsstörungen,

Hauptstandort Brugg-Windisch – Areal Königsfelden,

stationär

Beschreibung

Die postpartale Depression, bei der es sich um eine depressive Erkrankung handelt, tritt bei 10-15% aller Entbindungen in den ersten Monaten bis zu einem Jahr nach der Geburt auf. Diese kann Wochen bis Monate anhalten und ist behandlungsbedürftig. Die Abklärung bezüglich einer Hospitalisation sollte sorgfältig erfolgen. Bei den postpartalen Störungen handelt es sich um ernst zu nehmende Erkrankungen mit potenziell schweren Folgen für die Mutter, das Kind und die Familie bis hin zu Suizid und Infantizid.

Abgesehen vom Leid für die Wöchnerin und den Komplikationen, die jede Depression mit sich bringt, hat die Depression einer Mutter auch gravierende Folgen für das Kind und die Beziehung zum Partner. So wird die frühe Mutter-Kind-Beziehung, die als sehr wichtig für die aktuelle und auch spätere Entwicklung des Säuglings gilt, durch den depressiven Rückzug und das Unvermögen der Mutter, sich um das Kind zu kümmern, nachhaltig gestört. Die Mutter selbst verarbeitet dies oft mit Schuldgefühlen, wodurch sich die Depression verstärken und ein fataler circulus vitiosus in Gang kommen kann.

Die Kinder solcher Mütter können emotionale Auffälligkeiten und Verhaltensauffälligkeiten entwickeln und noch in späteren Jahren ihrer Entwicklung beeinträchtigt sein, insbesondere wenn die Depression der Mutter länger anhält. Eine längere Trennung vom Kind ist für die Mutter und das Kind meist ungünstig. Die entstehenden Schuldgefühle können die Depression verstärken und den Aufbau einer guten Mutter-Kind-Beziehung erschweren.

Daher gibt es inzwischen in vielen Ländern, insbesondere im angelsächsischen Raum, die Mutter-Kind-Behandlungseinheiten in der Psychiatrie. Oft ist eine Behandlungsdauer von ca. sechs Wochen ausreichend, wenn eine gute ambulante Nachbehandlung gewährleistet ist.

Ablauf und Dauer

Vor der stationären Aufnahme sollte ein Vorgespräch mit der erkrankten Mutter im Beisein der wichtigsten Bezugsperson und zwei Mitarbeitenden verschiedener Berufsgruppen geführt werden (Therapeutin, Pflegeperson). Zum ersten Vorgespräch muss eine ärztliche Zuweisung mitgebracht werden.
 

Inhaltlich sind folgende Fragen zu klären:

1.    Gegenwärtiger psychopathologischer Befund

2.    Diagnose

3.    Anamnese

  1. krankheitsbezogen
  2. Schwangerschaftsverlauf
  3. frühere Mutterschaft
  4. Klärung der bestehenden Mutter-Kind-Beziehung
  5. Abschätzung der Ressourcen der Mutter
  6. soziale Situation

4.    Gegenwärtige Therapie und Therapiebedürftigkeit

5.    Bezugspersonen

6.    Bestehendes Unterstützungssystem (Partner, Freunde, Eltern, Geschwister, Institutionen etc.)

7.    Erwartungen der Mutter an die Behandlung

8.    Verantwortlichkeiten für das Kind

Die gleichzeitige Aufnahme des Kindes ist abhängig vom Gesundheitszustand der Mutter und ihrer Möglichkeit, Verantwortung für ihr Kind zu übernehmen.  Für das Kind muss ein zuständiger Kinderarzt bezeichnet werden und das Kind sollte sich bei der Aufnahme in einem guten Gesundheitszustand befinden, insbesondere keine ansteckenden Erkrankungen haben.
 

Verantwortlichkeit für das Kind während des Aufenthaltes

Im Vorgespräch mit der Mutter und wenn möglich ihrer Vertrauensperson (meist Partner) wird die Verantwortlichkeit für das Kind besprochen.

Das Kind gilt als Begleitperson der Mutter, die Mutter ist primär die Patientin, die Therapie erhält. Voraussetzung für ihre Aufnahme ist, dass sie überwiegend ihr Kind versorgen kann. Für die Versorgung des Kindes ist in erster Linie die Mutter zuständig, erfährt hierbei jedoch pflegerische Unterstützung. Im Falle einer kurzzeitigen Überlastung der Mutter geht die Verantwortung im Sinne einer Krisenintervention an den Vater oder weitere Familienmitglieder über, es sei denn, es wurde anfangs anders vereinbart. Grundsätzlich wird die Klinik bezüglich des Kindes nur im Auftrag der Eltern tätig.

Im Notfall übernimmt die Station Verantwortung, bis die Familie kontaktiert ist. Sollte die Mutter länger als ein bis zwei Tage die Versorgung des Kindes nicht mehr gewährleisten können, muss das Kind ausserhalb der Klinik betreut werden. Der Gaststatus des Kindes beinhaltet, dass die Krankenkasse normalerweise keine finanzielle Kostenerstattung bietet. Dieser Umstand hat direkten Einfluss auf die finanzielle Verantwortung und die rechtliche Zuständigkeit für das Kind während des Aufenthaltes.

Grundsätzlich gilt, dass die Mutter in rechtlicher, finanzieller und gesundheitlicher Hinsicht die Verantwortung für das Kind trägt.

Konkret bedeutet dies:

1.  Die rechtliche Verantwortung und Vertretung des Kindes üben die Sorgeberechtigten, meist die Mutter, resp. die Eltern, aus.

2.  Die Kosten für die Verpflegung, Wäsche (Kleidung, Windeln, Pflegeartikel etc.) trägt die Mutter bzw. die Kostenübernahme hierfür ist von ihr oder Dritten geklärt worden. Die Beschaffung der notwendigen Artikel kann nicht von der Klinik übernommen werden.

3.  Die medizinische Versorgung des Kindes (Arzttermine, Mütterberatung) liegt in der Verantwortung der Mutter. Bei Bedarf kann eine Unterstützung erfolgen. Sollte die Mutter dem krankheitsbedingt nicht nachkommen können, muss ein Familienmitglied oder eine andere Vertrauensperson, wie im Vorfeld abgemacht wurde, die kinderärztliche Versorgung in die Wege leiten.

4.  Ist die Patientin aufgrund einer Verschlechterung ihrer Symptomatik länger als ein bis zwei Tage nicht mehr in der Lage Verantwortung für das Kind zu übernehmen, kann das Kind nicht mehr auf der Station bleiben.
 

Ausschlusskriterien
 

Mutter: Akute Eigen- oder Fremdgefährdung, Gewalthandlung gegen das Kind in der Vorgeschichte, primäre Suchterkrankung, FU ( Fürsorgerische Unterbringung), Nicht genügend vorhandene Sprachkenntnisse in Deutsch.

Grundsätzlich sollten für die stationäre Aufnahme eine Behandlungsbedürftigkeit und eine hinreichende Selbststeuerungsfähigkeit der Patientin gegeben sein, um auf einer offenen Station zurechtkommen zu können.

Kind: Älter als ein Jahr oder akute schwere Erkrankung. Die Aufnahme des Kindes kann nicht garantiert werden, sondern muss von der Verfassung der Mutter abhängig gemacht werden. Ferner muss es der Mutter noch oder wieder möglich sein, während des Aufenthaltes die Verantwortung für das Kind zu übernehmen.
 

Therapeutische Angebote

  • Psychotherapeutische Einzeltherapie
  • Psychopharmakologische Therapie
  • Paar- und Familiengespräche
  • Beurteilung und Unterstützung der mütterlichen Fähigkeiten wie Babypflege und Anleitung durch das Pflegeteam
  • Nach Indikation: Entspannungstraining, Sportgruppe, Bewegungstherapie, Gestaltung, Kochgruppe, Freizeitangebote der Station, Angehörigenberatung
  • Falls notwendig: Abklärung und Unterstützung durch Sozialdienst
  • Stundenweise Entlastung der Mutter durch unser Pflegepersonal, sofern Ressourcen hierfür frei sind
  • Lichttherapie ( auf anderer Abteilung möglich)

Der Therapieplan wird individuell zwischen den Fallführenden, der Bezugsperson und der Mutter erarbeitet und festgelegt. Er orientiert sich dynamisch an den Erfordernissen des Krankheitsbildes und den Bedürfnissen der Mutter.
 

Psychopharmakotherapie

Die pharmakologische Behandlung stillender Mütter unterliegt einer Reihe von Besonderheiten und die Abwägung von Behandlungsalternativen (Schlafentzug, Lichttherapie, gegebenenfalls EKT) ist wichtig.

Die medikamentöse Behandlung bedarf bezüglich des Stillens einer sorgfältigen Abwägung von Nutzen und Risiko.

Stillen selbst hat eine positive Wirkung auf die psychische und physische Gesundheit des Kindes. Die Behandlung erfolgt nach Aufklärung der Patientin hinsichtlich der relevanten Vor- und Nachteile. Eine Untersuchung des Kindes vor und während der medikamentösen Behandlung ist empfehlenswert.
 

Angebote der Pflege

Die Bezugsperson aus dem Pflegeteam begleitet die Patientin und macht sich von der Beziehung der Patientin zu ihrem Kind ein Bild. Sie fördert die mütterlichen Fertigkeiten.

Kontakte zur gewohnten Umgebung sollen aufrechterhalten oder wieder hergestellt werden.

Gemeinsam mit den Fallführenden besteht das Angebot der Angehörigenarbeit.

Für Besuche beim Kinderarzt steht die Pflege der Patientin in puncto Beratung und Organisation zur Verfügung und organisiert, falls erforderlich, eine Stillberatung.

Sollte zur weiteren Stabilisierung der Status einer Tagespatientin sinnvoll sein, so ist dieser zeitlich begrenzt möglich. Dieses Angebot umfasst stationsexterne Therapien, Mittagessen auf der Station, therapeutisches Gespräch sowie medizinische Sprechstunde und Psychopharmakotherapie. Insgesamt sollte jedoch darauf geachtet werden, bereits bei der Entlassung eine längerfristige, nicht klinikbezogene Nachbehandlung gemeinsam mit der Patientin zu planen. Auf spezielle Angebote von Selbsthilfegruppen (z.B. Equilibrium) wird bereits während der Hospitalisation hingewiesen.
 

Stationäre Voraussetzungen

Einbettzimmer mit Duschgelegenheit in direkter Nähe als «Kindeinheit» mit Kinderbett, Wickeltisch, Säuglings- und kindergerechte Einrichtung auf dem Zimmer. Keine unruhigen, aggressiven Patienten auf der Station während des Mutter-Kind-Aufenthaltes. Freier Zugang zur Küche. Keine Patienten mit infektiösen Erkrankungen auf der Station.

Oft ist eine Behandlungsdauer von ca. sechs Wochen ausreichend, wenn eine gute ambulante Nachbehandlung gewährleistet ist. Die Behandlung erfolgt mit oder ohne gemeinsame Aufnahme des Kindes. Im Anschluss ist gegebenenfalls eine tagesklinische Behandlung möglich.

Kosten

Tagestaxe Psychotherapiestation: gemäss geltender Taxordnung plus Zuschlag von 45 Franken für das Kind im Zimmer der Mutter. Dieser Zuschlag wird von der Patientin übernommen. Die Patientin wird beim Vorgespräch von den zuständigen Ärzten über die Zusatzkosten informiert.