Chronische Depression: Patientinnen-Bericht K. H.
«KPP-7: für mich der beste Ort der Welt»
Depressionen begleiten K. H., die auch von einer Störung aus dem Autismus-Spektrum und vom Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) betroffen ist, schon seit ihrer Kindheit. Erst als Erwachsene erhielt sie bei den PDAG mit der CBASP-Therapie eine adäquate Behandlung: «Endlich war ich nicht mehr ‹die Schwierige›», berichtet die ehemalige Patientin.
Vorgeschichte
Ich bin Künstlerin, mache Zeichnungen, am liebsten Architektur, Portraits und Tiere, sowie Keramikarbeiten. Studiert habe ich Modedesign. Als Designerin war ich aber nur kurz tätig, denn in einem Büro den ganzen Tag unter Menschen zu sitzen, war nichts für mich. Danach war ich als Modeillustratorin für Zeitschriften tätig; das war gut, denn hier konnte ich überwiegend für mich arbeiten. Leben konnte ich davon allerdings leider nicht. Deshalb unterrichtete ich 20 Jahre lang Zeichnen, Malen und Modedesign an einer kleinen Privatschule. Das strengte mich sehr an; zuletzt war ich erschöpft und leer.
Dass mit mir etwas nicht zu stimmen schien, bemerkte ich schon früh. Ich war anders als die anderen in meiner Schulklasse. Ich war und bin gerne für mich, muss alleine sein, aber zu viel alleine sein macht einsam. Ich hatte kaum Freundinnen und Freunde. Zwischen meiner Mutter und mir kam es oft zu Auseinandersetzungen. Ich dachte, ich bin das Problem und «zu viel». Ich war immer «die Schwierige». Das war nicht schön. Mit meinen Problemen wurde ich nie wirklich ernst genommen. So habe ich gelernt, diese zu verstecken und mich zu verstellen. Ich habe immer gearbeitet und auf mich geachtet, war gut gekleidet, sodass ich gepflegt aussah. Das war mein Nachteil, wenn ich therapeutische Hilfe gesucht habe. Dann hat man gesagt: «Was will denn die? Die sieht doch gut aus.»
Dann kam das Burnout nach 20 Jahren Unterrichten in der Schule. Da mein Partner eine Arbeit in einer Jugendherberge in der Schweiz bekam, folgte ich ihm; ich wurde ebenfalls angestellt. Drei Saisons lang führten wir den Betrieb. Für mich war es der Horror. Ich ertrug vor allem die Leute, den Lärm, den Trubel und den Stress mit den Hausarbeiten nicht – heute weiss ich, warum. Ich brach zusammen.
Eintritt und Behandlung bei den PDAG
Nach meinem Zusammenbruch ging ich zu meinem Hausarzt. Der hat mich an das PDAG-Ambulatorium in Aarau überwiesen. Die Psychologin dort hat erkannt, dass ich an chronischen Depressionen erkrankt bin. Sie hat mich an die spezialisierte CBASP-Behandlung bei den PDAG in Windisch überwiesen. Ein oder zwei Monate musste ich warten, dann wurde ich aufgenommen. Schon beim Vorgespräch für die stationäre Behandlung merkte ich, dass das passt. Mit dem Psychologen konnte ich normal und auf Augenhöhe kommunizieren. Ich brauche das – Rückmeldung, Beziehung, Empathie. Wenn ich zum Therapeuten oder zur Therapeutin keine Beziehung aufbauen kann, dann kann ich mich nicht öffnen, dann funktioniert das nicht. Die CBASP-Therapie ist sehr persönlich, auch vonseiten des Therapeuten; deshalb hat sie bei mir so gut funktioniert. Warum ist das nicht Standard? Zwei Monate war ich für die CBASP-Behandlung stationär auf der KPP-7, danach noch einen Monat ambulant. Das war anstrengend, weil ich vier Tage in der Woche morgens vom Wohnort nach Windisch kommen und abends zum Schlafen wieder nach Hause fahren musste, mit dem ÖV. Da hat man keine Zeit, um sich zu erholen.
Die CBASP-Behandlung auf der KPP-7 war für mich der beste Ort der Welt. Ich habe mich so wohlgefühlt. Zuerst dachte ich «oh je, so in einer Gruppe …», aber dann habe ich bemerkt, dass ja alle das Gleiche haben. Das war so angenehm. Endlich musste ich nicht alles verstecken und erklären. Ich habe sogar Freundschaften geschlossen. Am Ende wollte ich gar nicht mehr weg. Ein grosser Vorteil war, dass ich ein Einzelzimmer hatte. Wenn das nicht gewesen wäre, wäre ich nicht gekommen bzw. geblieben. Es war wichtig, dass ich mich zurückziehen konnte; nur so konnte ich auch sozial sein.
Wir hatten pro Woche zwei psychologische Einzelgespräche und ein- bis zweimal Rollenspiele in der Gruppe, ein Gespräch mit einer Pflegefachperson, je zweimal Kunst- und Sporttherapie. Am Anfang wollte ich weder Gruppenrollenspiel noch Kunst- oder Sporttherapie. Dann habe ich gemerkt, dass vor dem Rollenspiel alle Angst hatten. In der Sporttherapie habe ich bemerkt: «Hoppla, ich kann ja Hockey und Fussball spielen, ich bin ja gar nicht so schlecht.» Das hatte mit Schulsport überhaupt nichts zu tun. Und in der Kunsttherapie habe ich mich selber überwunden, indem ich wieder mit Ton gearbeitet habe, obwohl ich das Material an den Händen nicht ertrage. Ich habe Handschuhe angezogen. Plötzlich ging es, ich weiss auch nicht wie, ich bin einfach weitergegangen. Dank der Kunsttherapie habe ich neue Wege in meiner künstlerischen Praxis beschritten, insbesondere durch die Entdeckung der Keramik. Die Kunsttherapeutin hat mich sehr darin bestärkt, weiterzumachen
Man muss schwierige Sachen tun. Das war auch so gut an CBASP. Ich brauche die Herausforderung; es muss auch ein bisschen schwierig sein, sonst ist's langweilig. Die Achtsamkeits- und Entspannungstherapie hatte bei mir allerdings die gegenteilige Wirkung, sie machte mich aggressiv. Therapeutinnen und Therapeuten und Pflege haben das sofort bemerkt und haben super reagiert: Ich durfte an einem sicheren Ort Geschirr zerschmeissen, das sie mir gegeben hatten, und so meine Aggressionen abbauen. Es wird sehr individuell auf einen eingegangen. Man darf immer gehen, wenn es zu viel wird.
Nach Beendigung der CBASP-Therapie bekam ich die Kündigung und die Beziehung zerbrach. Es folgten sechs Wochen Therapie-Refresh und ein neuer Job an einer Primarschule. Als ich an der Schule unterrichtete, erlitt ich nach drei Monaten einen Burnout, arbeitete aber aus Angst, meinen Job erneut zu verlieren, noch fünf Monate weiter. Dann wurde ich erneut für die CBASP-Therapie zehn Wochen lang stationär aufgenommen. Das war wirklich gut. Der Therapeut hat mir super geholfen. Therapeuten und Pflege sind wirklich auf Augenhöhe mit einem, reden normal, sind immer ansprechbar und bereit, zu helfen. Die Atmosphäre ist locker. Man fühlt sich ernst genommen, kann auch mal Spass haben. Die anderen Patientinnen und Patienten helfen. Es ist ein Miteinander. Und wer keinen Kontakt möchte, bleibt für sich, wird deshalb aber nicht schräg angeguckt oder gemobbt. Und ich war immer sehr gerne im Park. Dennoch: Die KPP-7 ist kein Ferienort!
Die CBASP-Therapie hat mir geholfen, zu entdecken, dass sich bestimmte Muster in meinem Leben immer wieder wiederholen. Dies passiert immer noch – aber ich weiss jetzt, warum. Ich habe gelernt, mit meinen Aggressionen besser umzugehen; ich spüre sie jetzt kommen und kann dann einfach weggehen, anstatt zu explodieren. Ich verstehe jetzt, was andere «schwierig» an mir finden. CBASP hat mir geholfen, einen positiven Blick auf die Menschheit zu bekommen. Und – wichtig – mit CBASP habe ich gelernt, was ich selbst ändern kann und was nicht.
Wie geht es K. H. heute?
Die Depression ist nicht weg. Zu meiner spät diagnostizierten Autismus-Diagnose kam letztes Jahr eine ADS-Diagnose, was auch noch einmal vieles erklärt. Im Moment kann ich damit gut leben. Ich bin weiterhin in ambulanter Behandlung bei einer Psychiaterin, mit der ich sehr glücklich bin, und bei einem Therapeuten, der auch fantastisch ist. Ich lerne noch immer. Ausserdem hoffe ich auf eine Ketamin-Therapie und habe mich für eine Psilocybin-unterstützte Therapie angemeldet, denn die gängigen Medikamente wirken bei mir oft anders. Ich habe sogar wieder zwei kleine Jobs gefunden, bei denen ich überwiegend alleine arbeiten kann. Mit meiner Mutter verstehe ich mich besser; wir streiten jetzt nicht mehr so viel. Das ist schön. Was ich mir noch wünsche? Wieder mehr zu zeichnen und künstlerisch tätig zu sein. Am liebsten würde ich ganz von meiner Kunst leben können.
Diese Bilder zeigen Kunstwerke der Patientin K. H. und wurden uns freundlicherweise zur anonymen Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Bitte beachten Sie, dass alle Werke urheberrechtlich geschützt sind und nicht ohne Erlaubnis weiterverwendet werden dürfen.