Psychose: Bericht von Patrizia C.

«Besonders geholfen haben mir die kreativen Angebote und die Arbeit mit Tieren»

Als die heute 50-jährige Patrizia C. erstmals Stimmen hört, halluziniert und die Kontrolle über ihre eigenen Gedanken verliert, stellt dies ihr Leben völlig auf den Kopf. In Absprache mit ihrem Hausarzt lässt sie sich schliesslich bei den PDAG einweisen, wo ein Psychiater die Diagnose paranoide Schizophrenie stellt.

Vorgeschichte

«Damals hatte ich das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Ich hörte Stimmen, hatte Halluzinationen und war sehr verunsichert. Ich fühlte mich verfolgt und nachspioniert – einfach überall. Man hat das Gefühl, man ist nie alleine. In meinem Wahn habe ich sogar mit der Mauer gesprochen, so sehr war ich in meiner eigenen Welt. Niemand konnte mich erreichen, und ich liess mich aber auch nicht in ein Gespräch verwickeln. Klar, dass man in so einem Moment kein Vertrauen in andere Menschen hat. Heute weiss ich, dass viele Betroffene ähnliche Erfahrungen machen.

Eintritt und Behandlung bei den PDAG

Als ich bei den PDAG eintrat, war dies für mich zu Beginn schwierig, aber auch wichtig. Man musste ankommen, zur Ruhe kommen und lernen, den Stimmen nicht mehr zu folgen. Mit der Zeit bekam mein Alltag jedoch wieder Struktur: Gespräche, Therapien, Medikamente und kleine Schritte zurück ins Leben. Besonders geholfen haben mir die kreativen Angebote und die Arbeit mit Tieren. Ich liebte es sehr, die Tiere zu füttern und mit ihnen spazieren zu gehen. Dort konnte ich zur Ruhe kommen und mich auf etwas Positives konzentrieren.

Auch der Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten war für mich wichtig. Zwar hatte jeder seine eigene Geschichte, aber wir sassen alle im gleichen Boot. Man lernte, einander zu respektieren und zu unterstützen. Kleine Dinge wurden plötzlich wichtig – ein Gespräch im Flur, gemeinsam einen Kaffee trinken oder draussen im Park spazieren gehen.

Vor allem aber habe ich in dieser Zeit gelernt, Hilfe anzunehmen. Ich wusste, dass ich krank bin und dass ich Unterstützung brauche. Das war ein wichtiger Schritt.

Wie geht es ihr heute?

Heute bin ich stabil eingestellt und nehme meine Medikamente regelmässig. Ich lebe seit einiger Zeit im Tessin und habe dort ein gutes Auffangnetz mit monatlich ambulanter Behandlung sowie Unterstützung durch die Psychiatriespitex.

Im Zusammenhang mit meiner Erkrankung liegen mir drei Dinge am Herzen: Erstens, über die Erkrankung aufzuklären, da über paranoide Schizophrenie viel Negatives im Internet steht. Zweitens, dass man mit einer solchen Erkrankung gut leben kann. Und drittens, dass es enorm wichtig ist, sich Unterstützung zu holen und diese auch anzunehmen.»