Angehörigen-Testimonial Daniela M.

«Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl, dass das Verhalten meiner Schwester nicht bewertet, sondern verstanden wurde.»

Als Beiständin ihrer erwachsenen Schwester Myriam* erlebte Daniela M. während der Covid-Pandemie eine Zeit grosser Herausforderungen. Der psychische Zustand ihrer Schwester verschlechterte sich massiv, herkömmliche Strukturen stiessen an ihre Grenzen. Erst in der Klinik für Konsiliar-, Alters- und Neuropsychiatrie der PDAG fand die Familie einen Zugang, der Verständnis schuf, entlastete und neue Perspektiven eröffnete.

Vorgeschichte

«Ich bin gemeinsam mit meiner Mutter Beiständin meiner Schwester. Da ich selbst als Ärztin im Kanton Schwyz arbeite, übernehme ich dabei den medizinischen Teil.

Meine Schwester ist Mitte dreissig. Sie hat eine Intelligenzminderung und eine ausgeprägte Verhaltensstörung, bei gleichzeitig hohen alltagspraktischen Fähigkeiten. Zusätzlich wurde bei ihr eine instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ diagnostiziert, mit wiederholtem selbstschädigendem Verhalten und starken Gefühlsschwankungen.

Bis 2020 lebte meine Schwester in einem Heim. Während der Covid-Pandemie verschlechterte sich ihr psychischer Zustand massiv. Der Wegfall von Strukturen und gewohnten Abläufen führte schliesslich zu einer Einweisung in eine Psychiatrie. Dort kam es zu Fixierungen, und das Fachpersonal war mit ihrem anspruchsvollen Verhalten stark gefordert. Meine Schwester verletzte sich wiederholt schwer, so stark, dass ihre Wunden am Ende sogar operativ versorgt werden mussten. Für uns als Familie war diese Zeit äusserst belastend.»

Eintritt und Behandlung bei den PDAG

«Auf eigene Recherche hin stiessen wir auf das Zentrum für Entwicklungs- und Neuropsychiatrie der PDAG. In der Hoffnung auf einen besseren Zugang liessen wir Myriam schliesslich dort einweisen.

Zum ersten Mal erlebten wir, dass Ärztinnen, Therapeuten und Pflegefachpersonen echtes Verständnis für das Verhalten meiner Schwester aufbrachten. Es wurde eine umfassende entwicklungspsychiatrische Abklärung durchgeführt, die uns aufzeigte, dass viele ihrer Reaktionen nicht Ausdruck von Absicht oder Provokation sind, sondern aus ihrer eingeschränkten emotionalen Entwicklung heraus entstehen. Diese neue Perspektive war für uns ein Wendepunkt.

Im Rahmen einer genaueren Abklärung bei den PDAG wurde deutlich, dass Myriam emotional nicht altersentsprechend entwickelt ist. Ihre emotionale Reife entspricht in vielen Bereichen jener eines Kleinkindes. Das bedeutet, dass sie Gefühle sehr intensiv erlebt, diese aber nur begrenzt einordnen oder regulieren kann. Überforderung, Angst oder innere Spannungen zeigen sich deshalb häufig in herausforderndem Verhalten. Diese Erkenntnis war für uns als Angehörige entscheidend, um ihr Verhalten besser zu verstehen und angemessener darauf reagieren zu können.

Myriam profitierte sehr vom Setting des Zentrums. Besonders wichtig waren für sie auch die kreativen Therapieangebote wie Musik- und Maltherapie. Sie ist sehr kreativ und bastelt gerne, und diese Fähigkeiten konnten gezielt gefördert werden. Sehr geschätzt habe ich zudem, dass die Mitarbeitenden der PDAG intensive Gespräche mit dem bisherigen Wohnheim führten und konkrete Empfehlungen für den Umgang mit meiner Schwester erarbeiteten.

Als Familie hat uns auch entlastet, dass wir seither eine feste Anlaufstelle haben. Wir wissen, dass wir uns jederzeit mit Fragen melden dürfen und dass wir auch dann Unterstützung erhalten, wenn sich Myriams Zustand wieder verschlechtert.»

Wie geht es Myriam heute?

«Inzwischen lebt meine Schwester nicht mehr im vorherigen Kanton, sondern in einer Wohngruppe im Aargau. Die Fachpersonen dort gehen deutlich besser auf ihr herausforderndes Verhalten ein. Es gibt einen höheren Personalschlüssel und einen individuell abgestimmten Tagesablauf, der ihr Sicherheit und Orientierung gibt.

Auch im Umgang mit ihrer Borderline-Persönlichkeitsstörung hat sich vieles verändert. Selbstverletzendes Verhalten wird heute bewusst nicht mehr thematisiert oder sanktioniert, es wird nicht mehr mit Drohungen oder Konsequenzen gearbeitet, die das Verhalten verstärken. Dadurch kann meine Schwester es nicht mehr als Machtmittel einsetzen, was zu einer spürbaren Entspannung im Alltag geführt hat.

Rückblickend hat die Behandlung bei den PDAG entscheidend dazu beigetragen, dass wir meine Schwester heute besser verstehen, realistischer einschätzen und angemessener begleiten können. Für uns als Angehörige hat sich vieles stabilisiert – und dafür bin ich sehr dankbar.»

 

*der Name wurde aus Datenschutzgründen angepasst