Patienten-Testimonial Giovanni A.
«Hier habe ich meine Potenziale wiedergefunden»
Giovanni A.* litt an Alkoholabhängigkeit und Depression. Nach zwei stationären Aufenthalten im Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen der PDAG startet er nun als «die Person, die ich wirklich bin» in einen neuen Lebensabschnitt.
Zur Vorgeschichte
«Im Alter von 13, 14 Jahren habe ich angefangen, Alkohol zu trinken. Anfangs war mir gar nicht so bewusst, dass ich alkoholsüchtig bin. Das zog sich über Jahre hin. Nach der Arbeit habe ich zur Entspannung zuhause allein auf dem Sofa getrunken, jeden Abend einen Zwölfer-Pack Bier. Durch meinen Konsum habe ich zunehmend Sachen vergessen und bin aggressiver im Umgang mit anderen geworden. Ich habe mich kaum selbst noch erkannt, das war nicht mehr ich, sondern eine andere Person. Meine Familie und Freunde haben sich immer mehr von mir abgegrenzt, ich habe meinen Job gekündigt und wurde schliesslich arbeitslos.»
Eintritt und Behandlung bei den PDAG
«Irgendwann habe ich gemerkt, dass es so nicht weitergeht. Von allein habe ich kurz vor Weihnachten den Notfall der PDAG aufgesucht, um mir Hilfe zu holen. Ich kam auf die Station KPP-12, Akutstation Doppeldiagnosen. Gerade die Weihnachtstage waren für mich schwierig, da ich mich aufgrund meines Alkoholkonsums von meiner Familie abgegrenzt hatte. Auf der Station hatten wir einen Weihnachtsbaum und die PDAG-Hotellerie hat ein feines Weihnachtsmenü für uns gezaubert. Dennoch habe ich viel geweint, aber die Pflegefachpersonen waren immer für mich da und haben viel mit mir gesprochen und mir Tipps gegeben. Der Austausch mit den anderen Patienten, die in einer ähnlichen Situation wie ich waren, hat mir ebenfalls geholfen. Auch an Neujahr haben wir um Mitternacht zusammen auf der Station gefeiert. Wir haben es uns gut gehen lassen, gemeinsam Spiele gespielt, und um Mitternacht hat man sich umarmt und mit Limo angestossen und sich ein gutes Neues gewünscht. Es war richtig heimelig, sodass ich fast vergessen habe, dass ich in einer Klinik bin. Nach zwei Wochen habe ich auf die Station Alkohol- und Medikamentenabhängigkeiten KPP-10 gewechselt. Aufgrund meiner Alkoholabhängigkeit haben die medizinischen und psychologischen Fachpersonen dort intensiv diese Thematik mit mir angeschaut.»
Herausforderungen nach dem Austritt
«Als ich nach einem Monat ausgetreten bin, war es für mich zunächst schwierig, da der Alkohol stark präsent ist und man ihn fast überall kaufen kann. Ich habe eine Leere in mir gespürt und mich regelrecht zuhause eingeschanzt. Zwar hatte ich von den PDAG eine Einladung zur ambulanten Therapie im Anschluss an den stationären Aufenthalt erhalten, doch bin ich dort nicht hingegangen. Den Alkohol hatte ich in dieser Zeit im Griff, ab und zu habe ich ein Glas getrunken, ich bin aber nicht wieder in die Spirale des Exzesses gerutscht. Es ist reine Kopfsache: Wenn ich Nein sage, bedeutet es auch nein zum Alkohol. Jedoch hatte ich über Monate mit Depressionen zu kämpfen, am Ende hatte ich sogar Schwindelanfälle und Panikattacken bekommen. Dann habe ich mir gesagt: Ich muss mir wieder Hilfe holen, ich muss mich nicht schämen, denn die Menschen bei den PDAG sind dazu da, um mir zu helfen. Somit bin ich erneut in die KPP-12 eingetreten.»
Wiedereintritt in die Klinik
«Besonders schätze ich den persönlichen, sehr menschlichen Umgang auf der Station. Die Stationsleiterin hat mich jeden Morgen mit einem Lächeln begrüsst und mich motiviert. Auch beim Assistenzarzt hatte ich das Gefühl, dass er mich nicht nur als Patienten, sondern als Menschen gesehen und sich wirklich für meine Geschichte interessiert hat, statt einfach nur meine Medikamente zu verordnen. Die Lernende aus der Pflege hat mich ebenfalls gut unterstützt. Zum Beispiel haben sie mich morgens aus dem Bett rausgejagt (lacht), ich wurde im guten Sinne rausgezogen, was sehr wichtig ist bei Depressionen. Auch die Sporttherapie mit Laufen am Montag war zwar nicht so mein Ding, aber ich habe mich am Ende damit gut gefühlt.
In der Kunsttherapie habe ich zudem meine Potenziale wiedergefunden oder neue entdeckt. Denn mit dem Alkoholkonsum vergisst man, was seine Potenziale sind. So hatte ich gar nicht gewusst, dass ich tatsächlich malen kann.
Nach meinem Aufenthalt auf der KPP-12 war ich anschliessend einige Wochen in der Tagesklinik der PDAG, sodass ich abends und an den Wochenenden wieder zuhause war. Dort wurde ich zum Beispiel sehr gut rund um die Jobsuche unterstützt, ich konnte auch am PC arbeiten und Dokumente ausdrucken.»
Wie geht es Giovanni A. heute?
«Ich bin sehr froh, dass ich dieses Mal nach meinem Austritt einen so strukturierten Tagesablauf habe. Was mir ebenfalls hilft: Ich kann jederzeit die Station KPP-12 anrufen. Erst kürzlich hatte ich dort gegen Mitternacht angerufen, und sie konnten mich direkt unterstützen. Inzwischen habe ich auch einen Job gefunden und arbeite im 60-Prozent-Pensum. Langfristig möchte ich dieses weiter erhöhen. Auch eine gute Kollegin besucht mich oft. Nun ist immer etwas los und während ich früher Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hatte, bin ich jetzt abends erschöpft vom Tag. Das fühlt sich gut an. Ich bin jetzt wieder die Person, die ich wirklich bin und sein möchte.»
*der Name wurde aus Datenschutzgründen angepasst