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PDAG eröffnen erste «Präventionsstelle Pädosexualität» im Kanton Aargau

08. September 2026

Per 1. Oktober 2026 eröffnen die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) die neue «Präventionsstelle Pädosexualität». Die Fachstelle richtet sich an Menschen mit sexuellen Interessen, Fantasien oder Impulsen in Bezug auf Kinder oder Jugendliche. Sie verfolgt ein klares Ziel: frühzeitig, freiwillig und spezialisiert Unterstützung anzubieten und dadurch zum Schutz von Kindern und Jugendlichen beizutragen.

Für Menschen mit entsprechenden sexuellen Interessen kann es schwierig sein, sich jemandem anzuvertrauen und professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Scham, Angst vor Stigmatisierung und fehlende spezialisierte Angebote können dazu führen, dass Hilfe erst spät oder gar nicht gesucht wird. «Die neue Fachstelle setzt deshalb früh an, um Risikokonstellationen rechtzeitig zu erkennen und sexuelle Grenzverletzungen möglichst zu verhindern», erläutert Dr. med. Friederike Boudriot, Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie der PDAG, in deren Bereich das Angebot angesiedelt ist. 

Die Fachstelle wurde vor dem Hintergrund geschaffen, dass sexuelle Interessen oder Fantasien in Bezug auf Kinder und Jugendliche – auch im Rahmen einer pädophilen sexuellen Präferenz – nicht mit sexuellem Missbrauch gleichzusetzen sind. Nicht jede Person mit entsprechenden sexuellen Interessen begeht sexuelle Übergriffe. Unter bestimmten Bedingungen können sich jedoch Risikokonstellationen entwickeln, in denen die Gefahr sexueller Übergriffe steigt. Genau hier setzt die Prävention an: Durch frühzeitige Unterstützung sollen solche Entwicklungen erkannt, die Selbstregulation gestärkt und ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen sexuellen Interessen gefördert werden. 

Der Grosse Rat hat am 22. Juni 2021 das (21.181) Postulat von Suzanne Marclay-Merz betreffend Prävention im Bereich sexuelle Gewalt an Kindern überwiesen, das unter anderem den Regierungsrat dazu auffordert, Menschen mit pädophiler Neigung ein effektives Behandlungsangebot zur Verfügung zu stellen, um potenzielle Übergriffe zu verhindern. In Umsetzung dieses Postulats sollen die PDAG eine Präventionsstelle Pädosexualität aufbauen und betreiben. Der Grosse Rat hat die vom Regierungsrat beantragten Verpflichtungskredite für einen einmaligen Bruttoaufwand von 370'000 Franken und für einen jährlich wiederkehrenden Bruttoaufwand von 290'000 Franken für den Aufbau und Betrieb der Präventionsstelle Pädosexualität am 18. November 2025 beschlossen.

Freiwillig, vertraulich und niederschwellig
Die Präventionsstelle bietet Beratung, Abklärung und therapeutische Unterstützung für Personen mit sexuellen Gedanken, Fantasien oder Impulsen in Bezug auf Kinder oder Jugendliche. Das Angebot richtet sich an Menschen, die freiwillig Unterstützung suchen und bei denen im Zusammenhang mit der betreffenden Problematik kein laufendes Strafverfahren oder vollzugsbezogener Behandlungsauftrag besteht. «Wir wollen Menschen erreichen, die sich frühzeitig mit ihren sexuellen Interessen auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen möchten», erklärt der Psychologe und Leiter der neuen Fachstelle, Christoph Enz. «Wer sich frühzeitig Unterstützung holt, übernimmt Verantwortung – für sich selbst und für den Schutz von Kindern und Jugendlichen.»

Besonderes Merkmal der Fachstelle ist ihre Niederschwelligkeit: In der Initialphase besteht keine Pflicht, die eigene Identität offenzulegen. Damit soll die Schwelle, sich mit belastenden oder verunsichernden sexuellen Gedanken und Interessen an eine Fachperson zu wenden, möglichst tief gehalten werden.

Unterstützung auch für Angehörige und Fachpersonen
Neben der primären Zielgruppe richtet sich das Angebot auch an Angehörige, Bezugspersonen sowie Fachpersonen aus Bildung, Sozialwesen, Gesundheitswesen oder Betreuungseinrichtungen. Sie können sich bei Unsicherheiten beraten lassen und erhalten Unterstützung bei der Einschätzung von Risikosituationen sowie bei geeigneten Handlungsschritten.
Darüber hinaus engagiert sich die Fachstelle in der Sensibilisierung und Vernetzung mit anderen Organisationen in der Schweiz und im deutschsprachigen Ausland. Ziel ist es, das Thema Prävention stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und den Zugang zu Hilfeangeboten zu erleichtern.

Pilotbetrieb mit schrittweiser Entwicklung
Die Präventionsstelle startet am 1. Oktober 2026 im Pilotbetrieb. Dabei wird das Angebot schrittweise aufgebaut, erprobt und weiterentwickelt. Das Angebot ist von Beginn an abgestuft: Die niederschwellige Initialphase umfasst Erstberatung, Orientierung und die Klärung des weiteren Unterstützungsbedarfs. Bei entsprechender Indikation kann sich eine vertiefte Abklärung, Beratung oder therapeutische Begleitung anschliessen.

Die Initialphase ist unabhängig vom Wohnort kostenlos. Für Personen mit Wohnsitz im Kanton Aargau ist auch die vertiefte Interventionsphase kostenlos. Bei Personen aus anderen Kantonen ist die Kostenübernahme vorgängig zu klären.